Bericht von Prognoseforum-Symposium am 8. November 2004  „Strompreise 2010“


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Werden künftig Steinkohle- und Erdgaspreise enger miteinander korrelieren? Dies war einer der Kernfragen, die im Rahmen des Prognoseforum Workshops „Strompreise 2010“ kontrovers diskutiert wurden. Während die Empirie aus Großbritannien für den Zeitraum 1998-2002 dies nahe zu legen scheint, deuten die Verhältnisse auf den deutschen Markt 2002-2004 auf das Gegenteil.

Sollte sich die von unserem Referenten Graham Shuttleworth von NERA Consulting vorgetragene These der engen Korrelation in Zukunft bewahrheiten, hätte dies zur Folge, dass aus wirtschaftlicher Sicht relativ unerheblich wäre, ob künftige fossile Kraftwerkneubauten mit Erdgas oder Steinkohle betrieben würden. Der Sparkspread 

pel – pgas/h
pel: Strompreis in EURO/MEWh
pgas: Gaspreis in EURO/MWh Hu
h: Netto-Wirkungsgrad von Gaskraftwerken 

also die Marge zwischen Strompreis und Wirkungsgrad-gewichtetem Gaspreis, würde mit dem Darkspread (analoge Marge zwischen Strompreis und Wirkungsgrad-gewichteten Kohlepreisen) korrespondieren.


Die Frage der Wirtschaftlichkeit von Kraftwerksneubauten würde sich in diesem Fall auf die Frage beschränken, ob der jeweilige Spread zur Deckung der Kapital- und Betriebskosten von entsprechenden Kraftwerkneubauten ausreicht. Auch um diese Frage entspannte sich auf dem Symposium eine Kontroverse, wobei wohl die Mehrzahl der Teilnehmer dies bis 2010 aus den verschiedensten Gründen für weniger wahrscheinlich hielt. Der Referent des Kraftwerksbauers Siemens Power Generation, Herr Jörg Pauer, wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass es auf absehbare Zeit keine Herstellerengpässe geben wird.


Dr. Michael Kraus erläuterte in seinem Referat die moderne Theorie der Realoptionen als Bewertungskonzept für Kraftwerk-Investitionen und zeigte auf anschauliche Art und Weise den komplexen Zusammenhang zwischen den risiko-behaftenten Gas- und Strompreisen einerseits und dem Deckungsbeitrags- Auszahlungsdiagramm, welches als Grundlage für die Bewertung von Kraftwerksinvestitionen entsprechend einer (modifizierten) Black-Scholes-Formel dienen kann.

Professor Georg Erdmann von der TU Berlin wies darauf hin, dass es aus sicht der Theorie der Contestable Markets im Interesse der Incumbents sein muss, allfälligen Newcomern den Markteintritt möglicht unattraktiv zu machen, was unter anderem durch Strompreise unterhalb der Durchschnittskosten von Kraftwerkneubauten erreicht werden könnte. Da Neubauten derzeit vor allem im Mittel- und Spitzenlastbereich erforderlich sind, reicht es dazu sogar aus, die Preis-Spikes auf dem Spotmarkt unter Kontrolle zu bringen, wofür die jüngste Strompreisentwicklung auf dem Day-ahead-Markt einen anschaulichen Beleg bietet.

Der Energieberater Dr. Heiko Lohmann betrachtete dieses Problem aus praktischer Sicht und unterstrich, welch herausfordernde Aufgabe darin liegt, angesichts der aktuellen Strom- und Gaspreise einen Gasliefervertrag zustande zu bringen, der einen mittelfristig wirtschaftlichen  Betrieb von GuD-Kraftwerken ermöglicht. Dabei kam auch die Zukunft der Erdgassteuer für Kraftwerksgas zur Sprache.

Am Ende der Veranstaltung kam der Kohlepreis noch einmal zur Sprache. Professor Erdmann warf die Frage auf, ob sich das zuletzt drastisch gestiegene Preisniveau auf dem Weltsteinkohlemarkt kurzfristig zurückbilden kann. Seine Kernthese lautete zugespitzt formuliert, dass der Weltkohlepreis wesentlich durch Entwicklungen in China bestimmt ist. Man könnte darauf spekulieren, dass der Weltkohlepreis mit Blick auf 2010 wieder unter das gegenwärtige Niveau fallen wird, weil in 2005 zum ersten Mal in größerem Unfang Erdgas in der chinesischen Kohleverstromung eingesetzt wird und damit den Preisdruck von der Kohle nimmtt – allerdings perspektivisch zu Lasten des künftigen Erdgaspreises.

Damit schließt sich der Kreis im Hinblick auf die Frage der Korrelation zwischen Erdgas- und Steinkohlepreise, die für das künftige Strompreisniveau in Deutschland von maßgebender Rolle ist.



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