Bericht vom Prognoseforum Workshop vom 25. April 2005

„Optimales Portfolio aus Forwards/Futures und Day-ahead-Produkten - oder: Über die angemessene Höhe von Forwardprämien“

 

Die Workshop-Teilnehmer beschäftigten sich mit der komplexen quantitativen Beziehung zwischen Spot-Preisen und Forwards/Futures auf dem Strommarkt. Schon die Definition von Forward-Prämien ist nicht einfach: Soll die Differenz zwischen Forward-Notierungen und dem aktuell beobachteten Spotpreisindex gewählt werden? Oder soll die Differenz gegenüber einem (für den Auslieferungszeitraum) erwarteten Spotpreisindex verwendet werden. In diesem Fall hängt die Forwardprämie von dem Modell ab, mit dessen Hilfe die Spotpreiserwartungen gebildet werden.

 

Hätte man umgekehrt ein Modell zur Verfügung, welches belastbar die Höhe von Forwardprämien ohne den Rekurs auf (wie auch immer gebildete) Spotpreiserwartungen angeben würde, könnte man daraus Markterwartungen zur Spotpreisentwicklung modellieren – was erneut eine Fülle von stromwirtschaftlichen Problemen lösen könnte.

 

Die vier Referate beschäftigten sich aus jeweils sehr unterschiedlichen Blickwinkeln mit dieser Fragestellung. Gerade die Heterogenität der Ansätze machte die Diskussion unter den Referenten und Teilnehmern so interessant und spannend.

 

Prof. Dr. Georg Erdmann von der Technischen Universität Berlin präsentierte in seinem Übersichtsvortrag ein solches, auf Gleichgewichtsüberlegungen beruhendes Modell des Stromforward-Marktes und erläuterte daran beispielhaft einige der Schwierigkeiten, die mit der empirischen Validierung eines solchen Ansatzes verbunden sind. Dazu gehört unter anderem, dass die jüngeren Marktergebnisse sich vorerst noch nicht als Realisierungen mittelfristig stabiler Gleichgewichtsbeziehungen interpretieren lassen, weil die Marktteilnehmer „noch lernen“.

 

Marcus Bokermann von der Deriwatt AG, Dietikon erläuterte einen quantitativen ökonometrischen Ansatz zur Modellierung der Forwardprämien und gelangt zu guten statistischen Bestimmtheitsmassen, wobei er sich den empirisch vergleichsweise stabilen positiven Zusammenhang zwischen den Preisniveaus von fundamentalen Einflussfaktoren (Steinkohle, Erdgas, Transportkosten, CO2) sowie den zugehörenden Volatilitäten zunutze macht.

 

Ingo Ellersdorfer vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart betrachtete in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen Marktkonzentration auf der Erzeugerseite und dem Forwardangebot mit Hilfe eines spieltheoretischen Modells. Seine Kernaussage lautet, dass liquide Forwardmärkte einen dämpfenden Einfluss auf den Spotpreis-Markup haben.

 

Henrik Specht vom zentralen Risikomanagement und -controlling der Vattenfall Europe AG, Berlin basierte seine Ausführungen auf die begriffliche Unterscheidung zwischen dem Spotpreisniveau während eines Auslieferungszeitraums und der Preisstruktur in diesem Zeitraum. Während das Preisniveau-Risiko durch optimales Hedging (Delta-Hedging) im Prinzip eliminierbar ist, kann das in der Preisstruktur liegende Risiko nicht durch Hedging eliminiert werden. Das verbleibende Risiko ist abhängig vom Lieferfahrplan sowie der komplexen Korrelationsstruktur zwischen den Stunden der Auslieferungsperiode. In der Diskussion wurde deutlich, dass in jüngster Zeit Struktur-Änderungen beobachtet werden, die u.a. mit dem beginnenden CO2-Handel in Verbindung gebracht werden können.

 

Zusammenfassend gibt es heute noch keine wirklich belastbare Antwort dazu, wie Forwardprämien sinnvoll modelliert werden können. Dennoch ist die Beschäftigung mit diesem Thema wertvoll, weil sie einen Blick auf die Preisentwicklung auf den Strommärkten erlaubt und das Verständnis über die Funktionsweise dieser Märkte fördert.



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